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Gewirke

Quellenverweis:

teilweise Verwendung von Auszügen aus dem Titel "Fachwissen Bekleidung"
mit freundlicher Genehmigung des Verlages "Europa-Lehrmittel"

Webwaren

Gewebe sind die verbreitetsten textilen Flächengebilde. Im Prinzip wird heute noch genauso gewebt wie vor 1000 Jahren. Allerdings ist der Webprozeß im Laufe der Zeit mechanisiert und in den letzten Jahrzehnten weitgehend automatisiert worden. Das einfachste aller Gewebe ist das leinwandbindige Gewebe. Sämtliche anderen Gewebe, vom Rips oder Köper bis zum Brokatdamast, sind mehr oder weniger komplizierte Abwandlungen davon.

Webstuhl
Ein Gewebe entsteht, wenn Fäden rechtwinklig miteinander verflochten werden. Wie auf der Skizze ersichtlich, werden durch die Kettfäden Schußfäden hindurchgeschossen. Die Kettfäden laufen durch die Schäfte der Litzen.
Bei der Herstellung eines leinwandbindigen Gewebes werden
zwei Schäfte benötigt, wie es in der Skizze zu sehen ist. Die eine Hälfte der Kettfäden läuft durch die Litzen des 1. Schaftes, und zwar in der Reihenfolge 1, 3, 5, 7, usw. der Kettfäden, die andere Hälfte durch die Litzen des 2. Schaftes in der Reihenfolge 2, 4, 6, 8 usw..
Beim Weben arbeiten die beiden Schäfte gegenläufig, d. h. der eine Schaft hebt sich und der andere senkt sich. Dadurch werden die Kettfäden aus der gleichen Ebene, auf der sie sich auf dem Kettbaum befinden, zur einen Hälfte herausgehoben und zur anderen Hälfte herabgesenkt. Es bildet sich das sogenannte Webfach.

Durch dieses Fach wird der Schußfaden mit Hilfe des Schiffchens oder Schützen hindurchgeschossen. Das Schiffchen läuft auf der sogenannten Weblade.

Auf der Weblade befindet sich der Kamm, der einmal die Aufgabe hat, die Kettfäden in gleichmäßigen Abständen voneinander zu halten und zum anderen, den eingetragenen Schußfaden an die schon fertige Ware anzuschlagen. Ist dies geschehen, bewegt sich die Weblade mit dem Kamm zurück. Gleichzeitig wechseln die beiden Schäfte ihre Stellung. Der Schaft, der bei dem vorher eingetragenen Schuß oben war, geht nach unten, der andere, der vorher unten war, geht nach oben. Dadurch wird der Schuß durch die Kettfäden eingebunden, und es bildet sich ein neues Fach, in das wieder ein Schuß in entgegengesetzter Richtung eingetragen wird.

Dieser Vorgang wiederholt sich ständig je nach Art, Breite und Modernisierungsgrad des Webstuhles bis zu 200 mal in der Minute und mehr. Das Heben und Senken der Schäfte erfolgt beim mechanischen Webstuhl durch sogenannte Tritte. Während der Weber beim Handwebstuhl jedoch die Tritte mit den Füßen bewegen muß, werden beim mechanischen Webstuhl die Tritte durch die Umwandlung der rotierenden Bewegung einer Welle in eine Auf- und Abwärtsbewegung mittels Excenter betätigt.

Das Eintragen des Schußfadens mit dem Schützen, das beim Handwebstuhl von Hand erfolgt, besorgt beim mechanischen Webstuhl der Schlagstock, indem wieder die rotierende Bewegung einer Welle in eine rasche, schlagartige Hin- und Herbewegung umgewandelt wird. Hier sieht man auch deutlich den Unterschied in der Arbeit des Webers am mechanischen Webstuhl und am Handwebstuhl.

Beim Handwebstuhl muß der Weber den Stuhl mit seinen verschiedenen Vorrichtungen selbst in Bewegung bringen; er kann daher nur an einem Webstuhl arbeiten, während der Weber den mechanischen Webstuhl nur überwachen muß und somit je nach Breite und Art der Stühle bis zu 30 und mehr Webstühle gleichzeitig "laufen lassen" kann. Um die Bedienung einer so großen Anzahl von Stühlen durch einen Weber zu ermöglichen, muß der Webstuhl jedoch noch einige andere Raffinessen aufweisen. Diese weitere Stufe der Vervollkommnung ist die Automatisierung.

Die Leinwandbindung ist eine der drei Grundbindungsarten. Die beiden anderen sind die Köperbindung und die Atlas- oder Satinbindung. Das Wort Grundbindung sagt schon, daß sich die Bindungslehre nicht in drei Grundbindungsarten erschöpft. Es gibt daneben noch verschiedene Abwandlungen. Durch die Kombination verschiedener Bindungsarten ist es möglich, dem Gewebe die verschiedensten Muster oder auch Gesichter bzw. optische Effekte zu geben.

Die jeweilige Bindung des Gewebes kann als Patrone dargestellt werden. In einem Gewebe sieht man an den Kreuzungspunkten nur den an der Gewebeoberseite liegenden Faden, also entweder den Kettfaden oder den Schußfaden. In der Patrone bedeutet ein ausgefülltes Quadrat, daß der Kettfaden an dem durch dieses Quadrat bestimmten Kreuzungspunkt oben liegt, ein nicht ausgefülltes Quadrat, daß an dem betreffenden Kreuzungspunkt der Schußfaden oben liegt. Bei der Leinwandbindung sieht dann die Patrone wie folgt aus:

Leinwandbindung (vielseitig, haltbar, luftdurchlässig)

Die Leinwandbindung wird bei Wollstoffen als Tuchbindung und bei Stoffen aus Seide bzw. bei Chemieendlosgarnen als Taftbindung bezeichnet. Hier liegt - wie oben bereits erwähnt - in Kett- wie in Schußrichtung immer abwechselnd ein Kett- oder ein Schußfaden oben. In der Zeichnung sind zwei Quadrate in horizontaler Richtung und zwei Quadrate in vertikaler Richtung eingefaßt.
Diese vier Quadrate in der Patrone (im Gewebe die Kreuzungspunkte) bilden den sogenannten
Bindungsrapport.

Der Bindungsrapport umfaßt also das ganze Muster. Wenn die Einfassung um ihre eigene Größe nach rechts, links, oben oder unten versetzt wird, erhält man immer wieder dieselbe Kombination von Kreuzungspunkten, also denselben Rapport. Der Rapport umfaßt in diesem Falle zwei Kettfäden und zwei Schußfäden.

Köperbindung (viele Musterungs- und Einsatzmöglichkeiten)

Weitere Bezeichnungen für die Köperbindung sind Sergebindung und Twillbindung. Bei der Köperbindung umfaßt der Rapport drei Kettfäden und drei Schußfäden. Beim ersten Schußeintrag sind der 1. und der 3. Kettfaden gehoben, während der 2. gesenkt ist. Beim 2. Schußeintrag sind der 1. und der 2. gehoben, während der 3. gesenkt ist., und beim 3. Schußeintrag sind der 2. und der 3. Kettfaden gehoben, wobei der 1. gesenkt ist. Der Rapport umfaßt drei Kettfäden, die unabhängig voneinander gesteuert werden können. Dazu werden die Kettfäden auf drei Schäfte verteilt.

Diese Bindungsart bewirkt, daß ein schräger Grat, der sogenannte Köpergrat, durch das Gewebe läuft. Er entsteht durch die diagonal versetzten Bindungspunkte, wie auch schon in der Patrone erkennbar wird. Je nachdem ob die diagonal versetzten Bindungspunkte von rechts oben nach links unten oder von links oben nach rechts unten verlaufen, spricht man von Z-Grat-Köperbindung oder S-Grat-Köperbindung.
Verschiedene Muster, die z. B. bei der Köperbindung auftreten können:
Atlas- oder Satinbindung (eleganter Fall, schmiegsam, glänzend)
Sehen wir uns jetzt die Atlas- oder Satinbindung an. Bei jedem Schußeintrag liegen jeweils vier von fünf Kettfäden oben. Es müssen jeweils fünf Kettfäden unabhängig voneinander gehoben und gesenkt werden können; dazu werden fünf Schäfte benötigt. In dem Rapport sind die Kreuzungspunkte, an denen der Schußfaden oben liegt, so gegeneinander versetzt, daß sie von den danebenliegenden, flottierenden Kettfäden mehr oder weniger überdeckt werden. Das bedeutet, daß die flottliegenden Kettfäden die gesamte Gewebeoberfläche beherrschen, wodurch das glatte, glänzende Gewebe entsteht, das vom Damast und auch vom Streifsatin her bekannt ist, ohne daß man vorher wußte, wie es zu dieser glatten Fläche kommt.

Merkmale, die Eigenschaft und Qualität eines Gewebes beeinflussen:

  • der Rohstoff (bzw. bei Fasermischungen die Rohstoffe) mit seinen/ihren typischen Eigenschaften;
  • die Art des Garns, die z. B. Feinheit, Gleichmäßigkeit, Aussehen und Haltbarkeit verändert;
  • die Bindungsart, also die Art, wie Kette und Schuß miteinander verkreuzt werden. Dies ermöglicht unterschiedliche Warenbilder wie Unis, Streifen, Karos, klassische Muster wie Pepitas, Glenchecks u. ä., aber auch modische Designs. Außerdem beeinflußt die Bindungsart die Gebrauchseigenschaften des Gewebes;
  • die Gewebedichte, das ist die Anzahl der Kett- und Schußgarne pro cm², wirkt sich auf die Luftdurchlässigkeit (wichtig bei Sommerkleidung!), das Gewicht und die Haltbarkeit eines Textils aus. Je höher die Gewebedichte, desto höher sind Gewicht und Haltbarkeit und desto geringer ist die Luftdurchlässigkeit;
  • die Ausrüstung kann ebenso die Gewebeeigenschaften verbessern.