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Quellenverweis:

teilweise Verwendung von Auszügen aus dem Titel "Fachwissen Bekleidung"
mit freundlicher Genehmigung des Verlages "Europa-Lehrmittel"

Seide

Als Seide dürfen nur Fasern bezeichnet werden, die ausschließlich aus Kokons seidenspinnender Insekten (Seidenraupen) gewonnen werden.

Herkunft und Gewinnung von Seide

Raupen, die aus den Eiern der Seidenspinner und anderer Schmetterlinge schlüpfen, spinnen sich nach einer Lebensdauer von ca. 28 bis 38 Tagen und einer viermaligen Häutung im Zeitraum von ca. 33 Tagen, währenddessen sie ihr Gewicht und ihre Größe vervielfachen, in einer Hülle aus feinen Endlosfasern (Filamente) ein, in der sie sich in Puppen verwandeln können.
Diese Filamente entstehen aus einer farblosen, flüssigen Masse, die die Raupen aus Drüsen am Kopf pressen, und die dann sofort an der Luft erstarren.

natürlicher Kreislauf
Aufbau eines Rohseidenfadens
Sie bestehen im wesentlichen aus den vier Aminosäuren: Alanin, Glycin, Serin und Tyrosin und sind zum Zusammenhalt mit einer Art Kittsubstanz, dem Sericin umgeben.
Die Raupen benötigen zum Bau eines Kokons, bei dem sie den Faden ca. 28.000 mal in Form einer Acht um sich winden ca. 4 - 5 Tage und verbringen in ihm etwa 20 Tage.
In der Regel zerfressen die Raupen ihre Kokons, um schließlich als Schmetterlinge zu entschwinden. Diese legen wiederum Eier, aus denen Seidenraupen schlüpfen. Um jedoch zu verhindern, daß die Kokons zerbissen werden und damit die wertvolle Endlosfaser, welche als Haspelseide bekannt ist, zu gewinnen, tötet man die Raupen mittels Dampf.
Über die Hälfte der 52.000 Tonnen Rohseide, die jährlich produziert werden, werden in China hergestellt.
Insgesamt sind 35 Länder an der Seidenproduktion beteiligt, wobei Japan, Indien, die GUS und Südkorea als weitere Großproduzenten zu nennen sind.

 

Seidenqualitäten

Hinsichtlich der Seidenqualitäten unterscheidet man zunächst zwischen der Maulbeerseide und der Tussahseide.
Maulbeerseide ist eine gezüchtete Seidenart und weist eine feine und gleichmäßige Garnstruktur auf, die dieser Seidenart ihren unübertroffenen, besonders edlen Glanz verleiht, weshalb sie für festliche, elegante und exklusive Kleidung, wie zum Beispiel Seidenblusen, Abendkleider oder Krawatten Anwendung findet. Bezüglich ihrer Gebrauchseigenschaft überzeugt die Zuchtseide durch ihr sehr geringes Gewicht und den weichen und feinen Griff, der einen weichen und fließenden Faltenwurf bewirkt. Diese Eigenschaften machen allerdings eine sehr sorgfältige Pflege erforderlich. Sie ist außerdem sehr empfindlich gegenüber Schweiß und Deos, denn es können sehr schnell Farbtonänderungen entstehen.
Die Tussahseide, bekannt unter der Bezeichnung Wildseide, zeigt hingegen einen groberen Aufbau, der diese Seidenart glanzärmer, aber trotzdem elegant wirken läßt. Durch die Garnverdickung ist Tussahseide schwerer und härter, aber auch nicht so empfindlich wie Maulbeerseide. Sie ist allerdings durch den nicht völlig entfernbaren Seidenleim meistens nur für dunkle Textilien verwendbar.
Weniger bedeutend ist die Fagara-Seide, die aus den 8 x 3 cm großen Kokons des Atlasspinners, der die größte Schmetterlingsart der Welt ist, gewonnen wird. Nach dem Waschen der Kokons werden diese gezupft, versponnen und verwoben. Diese Seidenart weist natürlicherweise eine braune Farbe auf.

Seidenqualität läßt sich aber auch hinsichtlich der Garngewinnung unterscheiden. Hier sind zu nennen die Haspelseide, die Schappenseide und die Bauretteseide.
Als Haspelseide bezeichnet man die vom Kokon abgewickelte Endlosfaser (Filament), die besonders weich, geschmeidig, fein und wertvoll ist. Die Puppen werden dabei mit heißer Luft abgetötet, damit sie beim Ausschlüpfen aus dem Kokon den Seidenfaden nicht beschädigen können.

Die Kokons werden dann durch Heißwasserbäder aufgeweicht. Beim Abwickeln werden die Enden der Fäden, die eine Länge von 3500 m aufweisen und von denen bis zu 1200 m abgehaspelt werden können, von den aufgeweichten Kokons zunächst durch Bürsten gelöst und die Endlosfasern werden dann zu einem Mehrfachgarn (multifiles Filamentgarn) zusammengeführt, bis die beabsichtigte Garnstärke mit der gewünschten Festigkeit erreicht ist.
Ungefähr 7 bis 8 Fäden werden zum sogenannten Grége-Faden vereinigt. Mehrere Grége-Faden werden miteinander verzwirnt; bis man eine gewünschte Garnstärke und damit auch eine bestimmte Festigkeit erreicht hat. Aus Haspelseide werden hochwertige Stoffe hergestellt, die z.B. zur Produktion von Abendkleidern benutzt werden.
Abwicklungsvorgang
Schappeseide ist das Seidengarn, welches z. B. bei äußeren Kokonschichten und Kokons des Tussahspinners nicht abgehaspelt werden können, wobei die kürzeren Seidenfasern aussortiert werden. Schappe erkennt man an den abstehenden Faserenden. Sie ist im Vergleich zur Haspelseide fester und wird deshalb zur Herstellung von Kleiderstoffen und Dekostoffe verwendet.

 

Allgemeine Eigenschaften

Seide ist elastisch und deshalb beinahe knitterfrei. Sie ist recht reiß- und scheuerfest und somit sehr haltbar.
Durch ein hohes Feuchtigkeitsaufnahmevermögen (bis zu einem Drittel des Gesamtgewichtes) ist sie für Tag- und Nachtwäsche von großer Bedeutung. Seide ist temperaturausgleichend, aber nicht besonders wärmend, da die Seidengarne wenig isolierende Luft einschließen und somit ein geringes Wärmerückhaltevermögen besitzen.

 

Pflege

Die sogenannte Wäscheseide ist so ausgerüstet, daß man sie trotz ihrer Feinheit ohne Farbveränderung mit Fein- bzw. Spezialwaschmitteln waschen kann. Eine schonende Behandlung kann durch eine kurze Handwäsche bei 30°C ohne Reiben und ohne Bürsten erfolgen. Anschließend sollte man den Stoff gründlich mit klarem, lauwarmen und später kälter werdendem Wasser ausspülen, aber nie wringen oder schleudern.
Nach dem Trocknen kann man Seide bei schwacher bis mittlerer Temperatureinstellung rückseitig ohne Druckanwendung bügeln. Man sollte seidene Textilien jedoch nicht einsprengen, da sich ansonsten Wasserflecken bilden können.
Bei hartnäckigen Flecken bzw. bei nicht waschbaren Seidentextilien sollte man diese chemisch reinigen lassen. Auch dabei ist eine äußerst sorgfältige und schonende Behandlung erforderlich.