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Quellenverweis:

teilweise Verwendung von Auszügen aus dem Titel "Fachwissen Bekleidung"
mit freundlicher Genehmigung des Verlages "Europa-Lehrmittel"

Maschenwaren


Maschenwaren sind neben Webwaren die zweithäufigsten textilen Flächengebilde. Man findet sie daher oft bei Oberbekleidung, Leibwäsche, Sportbekleidung und auch im Wohnbereich.
Unter dem Begriff "Maschenware" versteht man gewirkte, gestrickte oder gehäkelte Textilien. Die Garne werden hierbei mit Hilfe von Nadeln in ineinandergreifende Garnschlaufen geformt. Jede Masche hat die Gestalt eines Doppel-S und besteht aus einem Maschenkopf (1), zwei Maschenschenkeln (2), zwei Maschenfüßen (3) und vier Bindungsstellen (4).
Die Maschenwaren erhalten schon bei der Herstellung durch Hinzugeben oder Abnehmen von Maschen am Rand ihre abgepaßte Form (Fully-Fashion-Ware). Die Textilien müssen also nicht mehr zugeschnitten werden, wirken feiner und eleganter. Das Verbinden zweier Kanten einer Maschenware (z. B. Kragen und Rumpfteil eines Pullovers) nennt man Ketteln. Es ist ein aufwendiges aber maschengerechtes und elegantes Verfahren.

 
Begriffserläuterung bezüglich Maschenwaren:
  • bei der offenen Masche kreuzen sich die Maschenfüße nicht
  • bei der geschlossenen Masche kreuzen sich die Maschenfüße
  • Maschen nebeneinander bilden Maschenreihen
  • Maschen übereinander bilden Maschenstäbchen
  • ein in Querrichtung eingelegter von Maschen gehaltener Faden heißt Schußfaden
  • ein in Längsrichtung eingelegter von Maschen gehaltener Faden heißt Stehfaden
  •  


    Aussehen:

    Maschenwaren sind widerstandsfähig gegenüber Knitterbildung und aufgrund ihrer Elastizität haben sie ein rasches Knittererholungsvermögen. Hohe Dichte und feine Maschen geben Formbeständigkeit und verringern die Gefahr des Verziehens und Ausbeulens.
    Die Musterung ist sehr vielseitig und unterschiedlich. So entstehen Streifen und Karos durch verschiedene Garnfarben, unterschiedliche Effekte durch verschiedene Garne, verschiedene Warenbilder durch die Art, wie die Garne miteinander verschlungen werden, sowie modische oder klassische Druckmuster.

    Gebrauchseigenschaften:

  • gute Luftdurchlässigkeit (Porösität) infolge des schlingenförmigen Garnverlaufs
  • gutes Wärmerückhaltevermögen, da die Maschen viel ruhende Luft einschließen
  • besserer Feuchtigkeitstransport als bei Webwaren
  • angenehme Schmiegsamkeit und Bewegungsfreiheit durch hohe Elastizität
  • Haltbarkeit:

  • geringere Scheuerfestigkeit gegenüber Webwaren (ist jedoch auch vom verwendeten Garn und der Güte der Verarbeitung abhängig)
  • Ausziehen des Garns und Ausbeulen ist nicht ausgeschlossen
  • Laufmaschenfähigkeit ist unterschiedlich
  • Pflege:

    Sie ist abhängig vom Rohstoff, der Verschlingungsart, der Garnart, der Maschendichte, der Ausrüstung und Konfektionierung. Daher gibt es sowohl kochfeste Maschenwaren, als auch solche, die nur chemisch gereinigt werden können. Sie erfordern aber aufgrund ihrer Feinheit grundsätzlich eine sorgfältige Pflege.. Die Gefahr des Einlaufens ist daher unter Umständen gegeben, jedoch ist das Bügeln oft überflüssig, da Maschenwaren im allgemeinen wenig knittern. Teilweise dürfen sie gar nicht gebügelt werden um das Warenbild nicht zu zerstören.

    Strickwaren:

    einzeln bewegliche Nadeln, meist Zungennadeln, die nacheinander das Garn in Schlaufen ziehen; Strickwaren sind grobmaschiger, dicker, voluminöser und schwerer als Wirkwaren.

    Wirkwaren:

    nur gemeinsam bewegliche Nadeln, die Maschenreihe wird gemeinsam gebildet, man unterscheidet nach Kulier- und Kettwaren.

    Kulierwaren:

    Bei Kulierwaren läuft das Garn quer durch die Warenbreite. Garnart, Verschlingung und Textilrohstoff beeinflussen das Aussehen und die Eigenschaften. Nach Art der Garnverschlingung unterscheidet man zwischen Rechts/Links, Rechts/Rechts, Links/Links und daraus abgeleiteten Kulierwaren.

     

    Rechts/Links-Kulierwaren:

    Eine Warenseite zeigt nur Maschenschenkel, die andere nur Maschenköpfe. Die Ware besitzt gute Elastizität, ist leicht, weich und schmiegsam, jedoch anfällig für Laufmaschen.

    Rechts/Links-hinterlegt:

    Dies ermöglicht farblich interessante Musterungen auf der Vorderseite, wie Streifen und Karos, hat jedoch zur Folge, daß auf der Rückseite nicht benötigte Garne frei (=flott) liegen. Gefahr dabei ist ein mögliches Hängenbleiben, durch häufiges Einbinden vermeidbar.

     

    Rechts/Rechts-Kulierwaren:

    Beide Warenseiten sehen gleich aus. Sie zeigen in ungedehntem Zustand Maschenstäbchen (Maschen, die übereinander gelegt sind), die plastische Rippen bilden. Bei Dehnung werden rechte und linke Maschen abwechselnd erkennbar. Aufgrund der Elastizität und der Dehnbarkeit ist der Einsatzbereich sehr groß.
    Warenbeispiel Feinripp: beidseitige, feine Maschenstäbchen bilden durchgehende Rippen; meist aus fein gekämmtem Fasergut; elastisch und schmiegsam; fühlt sich glatt und fein an; einsetzbar für feine Wäsche, Sommermode usw.
    Warenbeispiel Doppelripp: zeigt markante Rippen; meist aus Qualitätsbaumwolle; oft zweifädig verarbeitet um Aussehen, Haltbarkeit und Formbeständigkeit zu verbessern; fester als Feinripp und sehr elastisch; einsetzbar für ganzjährige Damen- und Herrenwäsche

     

    Links/Links-Kulierwaren:

    Ungedehnt zeigen beide Warenseiten Maschenköpfe. Die Ware ist sehr dehnbar und luftdurchlässig, jedoch nicht sehr elastisch. Aufgrund der aufwendigen Herstellung allerdings relativ teuer. Meist verwendet für Pullover und Westen, hergestellt aus wertvollen Textilrohstoffen wie Mohair- oder Kamelwolle.


    Kettenwirkware:

    Besteht aus vielen nebeneinanderliegenden Garnen (Kettgarne), die ähnlich wie bei Geweben von unten nach oben durch die ganze Warenlänge laufen und sich seitlich nach rechts und links maschenförmig verschlingen. Dadurch ist die Ware nur gering dehnbar aber sehr formstabil und laufmaschenfest.

    Kettfadenware wird mit mindestens einem Kettfadensystem hergestellt. Jeder einzelne Kettfaden wird von einer Lochnadel geführt, die sich in einer Legeschiene befindet. Diese Lochnadeln legen die Kettfäden um die Nadeln herum. Anschließend werden durch die Bewegung der Nadelbarre auf alle Nadeln gemeinsam Maschen bildet. So entstehen Maschenreihen. Dann wird die Legeschiene seitlich um ein oder mehrere Nadeln versetzt, die Kettfäden werden erneut um die Nadeln herumgelegt und es werden wieder neue Maschenreihen gebildet. Die Versetzbewegung der Legeschiene bestimmt die Art der Legung.

    Ausgewählte Legungen der Kettenwirkware:

  • Fransenlegung: keine Querverbindung zur Nachbarmasche, welche aber durch Kombination mit anderen Legungen oder Schußfäden erreicht werden können
  • Trikotlegung: alle maschenbildenden Kettfäden verlaufen zickzack in Längsrichtung durch die Ware und binden zwei Nachbarstäbchen
  • Tuchlegung: ähnlich wie Trikotlegung, jedoch überspringt jeder maschenbildende Kettfaden ein Maschenstäbchen
  • Atlaslegung: jeder maschenbildende Kettfaden verläuft treppenförmig bis zu einem Umkehrpunkt und wechselt dann die Richtung
  • Raschelware ist eine aus Kettwirkwaren abgeleitete Warenart mit vielen Musterungsmöglichkeiten